Kapitalmarktnahe Fremdfinanzierung jenseits der Hausbank – mit realistischem Blick auf Aufwand, Kosten und Publizität.
Wer über eine Anleihe oder einen Schuldschein nachdenkt, hat meist ein konkretes Problem: die Bankenlinie ist ausgereizt, die Laufzeiten passen nicht mehr zur Investitionsplanung, oder es soll ein Klumpenrisiko bei einem einzelnen Institut abgebaut werden. Das Instrument ist also selten Selbstzweck.
Der Schuldschein bleibt der pragmatische Einstieg. Kein Prospekt, kein Rating im engeren Sinn, Dokumentation nach deutschem Recht auf überschaubaren Seiten. Investoren sind Sparkassen, Landesbanken, Versicherer und Versorgungswerke. Von Mandatierung bis Valuta sind acht bis zwölf Wochen üblich.
Eine Anleihe kostet mehr Vorlauf und mehr Geld – Prospekt, Rating oder Ratingsurrogat, laufende Berichtspflichten. Sie lohnt sich, wenn Sie regelmäßig an den Markt wollen, eine breitere Investorenbasis brauchen oder die Sichtbarkeit strategisch nutzen. Wer nur einmalig 30 Millionen refinanziert, fährt mit dem Schuldschein fast immer besser.
Passt in der Regel, wenn
Umsatz ab rund 100 Mio. Euro und stabile Ertragslage
Finanzierungsbedarf ab 20 Mio. Euro (Schuldschein) bzw. 50 Mio. Euro (Anleihe)
Verschuldungsgrad, der auch im schlechten Jahr trägt
Eckdaten
Volumen Schuldschein
ab ca. 20 Mio. €
Volumen Anleihe
ab ca. 50 Mio. €
Laufzeiten
3, 5, 7, 10 Jahre
Vorlauf Schuldschein
8–12 Wochen
Vorlauf Anleihe
4–6 Monate
Tilgung
meist endfällig
Bausteine
Worauf es bei der Strukturierung ankommt
Volumen und Tranchierung
Mehrere Laufzeittranchen parallel anzubieten kostet nichts und verbreitert den Investorenkreis spürbar. Versicherer greifen bei sieben und zehn Jahren zu, Banken eher bei drei und fünf. Wir starten deshalb mit einem Zielvolumen und einem Aufstockungskorridor, statt eine feste Zahl zu verteidigen.
›Zielvolumen mit Upsize-Option
›Fix- und variable Tranchen kombinieren
›Kein Overselling – Nachplatzierung schadet dem Ruf
Covenants realistisch dimensionieren
Üblich sind Verschuldungsgrad, Zinsdeckung und eine Negativerklärung. Der Fehler liegt fast nie in der Auswahl, sondern im Headroom: Wer die Kennzahl auf Planniveau setzt, produziert beim ersten schwachen Quartal einen Breach und muss teuer nachverhandeln. Wir rechnen den Downside-Fall durch und leiten daraus die Schwelle ab.
›Leverage und Interest Cover als Standard
›Headroom von mindestens 20 Prozent
›Testtermine an das Reporting koppeln
Rating oder Ratingsurrogat
Beim Schuldschein reicht vielen Investoren eine interne Bonitätseinschätzung der arrangierenden Bank. Bei der Anleihe führt an einem externen Rating kaum ein Weg vorbei. Das Verfahren dauert sechs bis zehn Wochen und will vorbereitet sein – ein schlecht begleitetes Ratinggespräch kostet leicht eine halbe Notch.
›Ratingagentur früh auswählen
›Peer-Vergleich vorbereiten
›Managementgespräch proben
Investorenansprache
Die Platzierung läuft über Plattformen und über den direkten Draht. Beides zusammen funktioniert am besten: die Plattform erzeugt Breite, das persönliche Gespräch bringt die Ankerorder. Wir sprechen Investoren an, die zum Geschäftsmodell passen – nicht die längste Liste, sondern die richtige.
›Sparkassen, Landesbanken, Versicherer
›Ankerinvestor vor Marktbreite
›Vertrauliche Ansprache mit NDA
Ablauf
Von der Analyse bis zur Valuta
Schritt 01
Finanzierungsanalyse
Bestandsaufnahme der Linien, Fälligkeiten und Sicherheiten. Daraus ergibt sich, ob überhaupt ein Kapitalmarktinstrument sinnvoll ist.
Schritt 02
Instrumentenwahl
Schuldschein, Anleihe oder eine Kombination mit bestehenden Bankfinanzierungen – abgewogen nach Kosten, Vorlauf und Publizität.
Schritt 03
Unterlagen
Unternehmenspräsentation, Finanzkennzahlen, Planung und Term Sheet. Bei der Anleihe zusätzlich Prospekt und Ratingprozess.
Schritt 04
Vermarktung
Ansprache der Investoren, Beantwortung der Rückfragen, Sammlung der Orders im Bookbuilding.
Schritt 05
Pricing
Festlegung von Kupon und Volumen anhand des Orderbuchs. Hier entscheidet sich, ob die Emission Geld auf dem Tisch liegen lässt.
Schritt 06
Closing
Dokumentation, Valutierung und Aufsetzen des laufenden Investorenreportings.
Aus der Praxis
Zwei Punkte, die häufiger stören als der Kupon
Berichtspflichten unterschätzt
Nach der Emission beginnt die Arbeit: Halbjahreszahlen, Covenant-Compliance-Zertifikat, Investorencalls. Wer das im Controlling nicht abbildet, sitzt zwei Jahre später in unangenehmen Gesprächen. Wir klären vor der Platzierung, wer die Berichte erstellt und in welchem Rhythmus.
Bestehende Banken übergangen
Ein Schuldschein neben laufenden Kreditverträgen kann Pari-passu- oder Negativklauseln berühren. Diese Gespräche gehören an den Anfang, nicht ans Ende. Hausbanken, die man rechtzeitig einbindet, zeichnen oft selbst mit.