Ein IPO ist kein Finanzierungsvorgang, sondern eine Entscheidung über die künftige Verfassung des Unternehmens.
Die meisten Börsengänge scheitern nicht am Markt, sondern an der Vorbereitung. Zwölf bis achtzehn Monate sind realistisch, wenn Konzernabschluss, Quartalsberichterstattung und Governance erst aufgebaut werden müssen. Wer diesen Zeitraum verkürzen will, zahlt später im Bewertungsabschlag.
Wir empfehlen fast immer den Dual Track. Die Vorbereitung für Börsengang und Verkauf überschneidet sich zu großen Teilen – Zahlenwerk, Equity Story, Due-Diligence-Bereitschaft. Mit beiden Optionen im Rücken verhandeln Sie besser, und wenn das Marktfenster zufällt, steht der Prozess trotzdem nicht still.
Und eine unbequeme Frage gehört an den Anfang: Wollen die Gesellschafter wirklich die Publizität? Quartalszahlen, Analystencalls, ein Aktienkurs, der jede Nachricht sofort bewertet. Für manche Unternehmerfamilie ist eine Kapitalerhöhung im privaten Kreis der bessere Weg.
Ein IPO kommt in Betracht, wenn
Marktkapitalisierung ab rund 250 Mio. Euro erwartbar ist
eine Wachstumsgeschichte mit Mittelverwendung existiert
IFRS-Abschluss und Quartalsreporting darstellbar sind
die Gesellschafter Publizität und Streubesitz akzeptieren
Eckdaten
Vorlauf
12–18 Monate
Streubesitz
meist ab 25 %
Segment
Scale, General/Prime Standard
Rechnungslegung
IFRS
Kostenrahmen
4–8 % des Emissionsvolumens
Bausteine
Die Arbeitspakete vor dem ersten Handelstag
IPO-Readiness-Check
Nüchterne Bestandsaufnahme: Rechnungslegung, Konsolidierung, internes Kontrollsystem, Rechtsform, Gesellschafterstruktur, Vorstands- und Aufsichtsratsbesetzung. Am Ende steht eine Liste mit Verantwortlichen und Terminen – keine Bewertung, sondern ein Bauplan.
›Gap-Analyse Reporting und Governance
›Umwandlung in eine AG oder SE
›Aufsichtsrat und Vergütungssystem
Equity Story
Die Geschichte muss im dritten Investorengespräch noch tragen, nicht nur im ersten. Dazu gehören eine belastbare Marktabgrenzung, eine Peer Group, an der man sich messen lassen will, und Kennzahlen, die das Management auch in zwei Jahren noch steuern kann.
›Marktabgrenzung und Peer Group
›KPI-Set für die Kapitalmarktkommunikation
›Mittelverwendung nachvollziehbar begründen
Dual Track
Börsengang und Verkaufsprozess laufen parallel bis kurz vor der Entscheidung. Das erhöht den Aufwand um vielleicht zwanzig Prozent, verbessert aber die Verhandlungsposition erheblich – gegenüber Investoren wie gegenüber strategischen Käufern.
›Parallele Vorbereitung, späte Entscheidung
›Vertraulichkeit in beiden Spuren sichern
›Abbruchkriterien vorher definieren
Kapitalerhöhung als Alternative
Nicht jede Wachstumsfinanzierung braucht die Börse. Eine Kapitalerhöhung mit Ankerinvestor, eine stille Beteiligung oder ein Pre-IPO-Round bringt Geld ins Unternehmen, ohne die volle Kapitalmarktinfrastruktur aufzubauen – und hält die Tür für später offen.
›Pre-IPO-Runde mit Ankerinvestor
›Wandelanleihe als Zwischenschritt
›Bewertung ohne Marktdruck
Ablauf
Der Weg an die Börse
Schritt 01
Readiness und Zeitplan
Bestandsaufnahme, Lückenliste, realistischer Zeitplan mit Marktfenstern. Hier fällt die Entscheidung über Dual Track.
Schritt 02
Strukturierung
Rechtsform, Konzernstruktur, Gesellschaftervereinbarungen und die steuerliche Seite eines Anteilsverkaufs im Rahmen der Emission.
Schritt 03
Bankenauswahl
Auswahl der Konsortialbanken nach Research-Abdeckung, Platzierungskraft und Konditionen – nicht nach der höchsten indikativen Bewertung.
Schritt 04
Dokumentation
Prospekterstellung, Legal und Financial Due Diligence, Comfort Letter, Abstimmung mit der Aufsicht.
Schritt 05
Vermarktung
Analystenpräsentation, Research, Roadshow und Bookbuilding bis zur Preisfestsetzung.
Schritt 06
Listing und danach
Erster Handelstag, Stabilisierung, Lock-up. Und der Aufbau einer Investor-Relations-Routine, die auch im zweiten Jahr noch funktioniert.
Aus der Praxis
Woran es meistens hakt
Das Zahlenwerk kommt zu spät
Drei Jahre geprüfte IFRS-Abschlüsse plus Zwischenzahlen – wer damit erst nach Mandatierung beginnt, verliert ein Marktfenster. Der Aufbau der Konsolidierung ist der längste Pfad im Projektplan und gehört an den Anfang.
Das Management ist nicht kapitalmarktfähig
Ein CFO, der Investorenfragen zu Marge und Kapitalbindung nicht souverän beantwortet, kostet Bewertung. Das ist keine Frage der Fachkenntnis, sondern des Trainings. Wir üben diese Gespräche, lange bevor der erste Investor im Raum sitzt.