Die Finanzierung eines Unternehmenskaufs entscheidet mit darüber, ob der Zukauf in drei Jahren noch eine gute Idee war.
In der Praxis ist es fast immer eine Mischung: eine erstrangige Banktranche, häufig eine Unitranche vom Debt Fund, dazu Mezzanine, Verkäuferdarlehen und Eigenmittel. Welche Kombination passt, ergibt sich nicht aus dem Kaufpreis, sondern aus dem Cashflow des Zielunternehmens.
Wir rechnen die Struktur immer gegen ein gedrücktes Szenario – Marge minus zwei bis drei Punkte, Umsatz zehn Prozent unter Plan. Wenn der Schuldendienst dann noch trägt, ist die Struktur belastbar. Wenn nicht, hilft kein Verhandlungsgeschick beim Kupon.
Ein Punkt, der oft zu spät kommt: Der Verkäufer bewertet Angebote auch nach Finanzierungssicherheit. Eine belastbare Finanzierungsbestätigung, ein sauberer Eigenkapitalnachweis und ein Prozess ohne Gremienvorbehalt schlagen im Bieterwettbewerb regelmäßig ein höheres, aber wackeliges Gebot.
Typische Anlässe
Strategischer Zukauf oder Buy-and-Build
Management-Buy-out oder Buy-in
Übernahme von Gesellschafteranteilen
Refinanzierung einer bestehenden Akquisitionsstruktur
Eckdaten
Volumen
10 – 400 Mio. €
Senior Leverage
meist 2,5–3,5x EBITDA
Gesamtverschuldung
bis ca. 4,5x EBITDA
Laufzeit
5–7 Jahre
Eigenmittel
ab 30 %
Zeitbedarf
6–12 Wochen
Bausteine
Die Tranchen und wofür sie taugen
Senior Debt
Erstrangig besichert, günstigster Baustein, dafür mit dem engsten Korsett: Amortisation, Finanzkennzahlen, Informationspflichten. Banken bewegen sich in der Regel bei zweieinhalb bis dreieinhalb Mal EBITDA – darüber wird es ein Fondsthema.
›Term Loan A mit Tilgung
›Betriebsmittellinie separat
›Testtermine quartalsweise
Unitranche
Eine Tranche, ein Kreditgeber, endfällig. Teurer als Senior, spart aber Intercreditor-Verhandlungen und ist deutlich schneller entschieden. Bei Zukäufen mit engem Zeitplan ist das oft mehr wert als der Zinsvorteil einer Bankstruktur.
›Ein Ansprechpartner statt Konsortium
›Endfällig, entlastet den Cashflow
›Entscheidung in wenigen Wochen
Verkäuferdarlehen und Earn-out
Beides überbrückt unterschiedliche Preisvorstellungen. Das Verkäuferdarlehen wirkt wie wirtschaftliches Eigenkapital und verbessert die Senior-Kennzahlen; der Earn-out verschiebt einen Teil des Preises in die Zukunft – und braucht eine Bemessungsgrundlage, über die man später nicht streiten muss.
›Nachrang und Stillhalteabrede
›Earn-out auf EBITDA oder Umsatz
›Streitpunkte vorab regeln
Mezzanine als Lückenschluss
Wenn zwischen Senior-Kapazität und Kaufpreis eine Lücke bleibt, schließt Mezzanine sie – nachrangig, zinsstark, teils mit PIK-Komponente. Sinnvoll, wenn die Rendite des Zukaufs den Zins klar übersteigt. Nicht sinnvoll, um eine zu hohe Bewertung zu finanzieren.
›Nachrangig, endfällig
›PIK schont die Liquidität
›Nur bei tragfähiger Rendite
Ablauf
Wie wir die Finanzierung aufsetzen
Schritt 01
Debt Capacity
Analyse des Zielunternehmens: bereinigtes EBITDA, Working Capital, Investitionsbedarf. Daraus ergibt sich, was der Cashflow tragen kann.
Schritt 02
Struktur
Aufteilung in Senior, Unitranche, Mezzanine, Verkäuferdarlehen und Eigenmittel – inklusive Downside-Rechnung.
Schritt 03
Kapitalgeber ansprechen
Parallele Ansprache von Banken und Debt Funds mit einheitlichem Informationspaket, damit die Angebote vergleichbar bleiben.
Schritt 04
Term Sheets
Vergleich nach Gesamtkosten, Covenants, Sicherheiten und Flexibilität für spätere Zukäufe – nicht nur nach der Marge.
Schritt 05
Dokumentation
Kreditvertrag, Sicherheitenpaket, bei mehreren Tranchen die Intercreditor-Vereinbarung. Hier entstehen die meisten Verzögerungen.
Schritt 06
Closing
Abstimmung von Finanzierungs- und Kaufvertragsvollzug, Auszahlung und Aufsetzen des laufenden Reportings.
Aus der Praxis
Zwei Fehler, die teuer werden
Maximaler Hebel als Ziel
Wer die Struktur bis an die Grenze auslastet, hat beim ersten schwächeren Jahr keine Reserve. Wir verhandeln Covenant-Headroom und – wo möglich – eine Equity-Cure-Klausel, damit ein einzelnes Quartal nicht gleich einen Breach und Nachverhandlungen auslöst.
Integration nicht mitfinanziert
IT-Zusammenführung, Abfindungen, doppelte Strukturen in der Übergangsphase: Diese Kosten fallen im ersten Jahr an, tauchen aber selten im Finanzierungsmodell auf. Wir setzen dafür eine eigene Linie an, statt sie aus dem laufenden Cashflow zu quetschen.